Natürliche Verhütung

Natürliche Verhütung

Einige Frauen, die in festen Partnerschaften leben, schauen sich irgendwann nach Alternativen zu Pille und Co. um: In puncto natürliche Verhütung gibt es verschiedene Methoden, die je nach individueller Lebenslage zu einer Frau passen können.

 

Coitus Interruptus

Wirkung

Coitus Interruptus kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie "unterbrochener Geschlechtsverkehr": Bei perfekter Durchführung gelangt kein Sperma in die Scheide der Frau – und es kann keine Befruchtung stattfinden.

Anwendung

Für diese Art der natürlichen Verhütung werden keinerlei Hilfsmittel oder eine spezielle Vorbereitung benötigt: Der Mann zieht kurz vor der Ejakulation seinen Penis aus der Frau zurück, sodass der Samenerguss außerhalb der Scheide stattfindet. Allerdings ist für den Coitus Interruptus ein gutes Körperbewusstsein Voraussetzung sowie reichlich Übung und Disziplin: Gerade unerfahrene, junge Männer haben häufig Schwierigkeiten, ihren Orgasmus und damit den Zeitpunkt des Samenergusses zu steuern und rechtzeitig den "Rückzieher" anzutreten.

Sicherheit

Der Coitus Interruptus gilt streng genommen nicht als echte Verhütungsmethode. Anwendern wird dringend davon abgeraten, sich auf diese Art der natürlichen Verhütung zu verlassen. Noch vor der eigentlichen Ejakulation können sogenannte Lusttröpfchen aus dem Penis austreten, die bereits Spermien enthalten. Der Pearl-Index für den Coitus Interruptus wird mit 4 – 30 bewertet. Die große Spanne zeigt, dass 4 bis 30 von insgesamt 100 Frauen pro Jahr trotz Anwendung dieser "Verhütungsmethode" schwanger werden können.

Nachteile

Diese Methode der natürlichen Verhütung bietet keine ausreichende Sicherheit vor einer ungewollten Schwangerschaft. Auch ein Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten ist nicht gegeben.

Geeignet für

Paare, die einen grundsätzlichen Kinderwunsch hegen, können den Coitus Interruptus guten Gewissens praktizieren. Soll jedoch auf jeden Fall eine Schwangerschaft vermieden werden, ist von dieser Art der natürlichen Verhütung abzuraten.

 

Stillen

Wirkung

Jedes Mal, wenn eine frisch gebackene Mutter ihr Baby an die Brust legt und stillt, wird im Körper das Hormon Prolaktin ausgeschüttet. Dieses regt einerseits die Produktion der Muttermilch an und schränkt andererseits die Aktivität der Eierstöcke ein, wodurch die Reifung der Eibläschen und der Eisprung unterdrückt wird.

Anwendung

Stillen bietet nur unter der Einhaltung bestimmter Voraussetzungen Schutz vor einer ungewollten Schwangerschaft: Die Frau muss voll stillen und darf während dieser Zeit nicht zufüttern. Das bedeutet, dass sie mindestens sechsmal innerhalb von 24 Stunden und damit mindestens 80 Minuten täglich stillen muss – die Stillpausen dürfen nicht zu lang sein, denn nur so kann der empfängnisschützende Prolaktinspiegel aufrechterhalten werden. Außerdem ist es wichtig, dass die erste Periode nach der Schwangerschaft noch nicht stattgefunden hat.

Sicherheit

Stillen ist kein Verhütungsmittel im klassischen Sinne. Zwar wird unter Einhaltung der wichtigen Voraussetzungen der Eisprung unterdrückt, dennoch bietet regelmäßiges Stillen keinen absolut sicheren Empfängnisschutz. Der Pearl-Index liegt unter diesen Umständen bei immerhin 2 – das bedeutet, dass die Still-Methode zur natürlichen Verhütung bei 2 von 100 Frauen pro Jahr zu einer ungewollten Schwangerschaft führt. Jedoch lässt sich nie mit absoluter Sicherheit sagen, wann die erste Ovulation nach der Geburt tatsächlich stattfindet und damit das Risiko einer ungewollten Schwangerschaft wieder steigt.

Nachteile

Ob Stillen tatsächlich einer ungewollten Schwangerschaft vorbeugen kann, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Jeder Körper tickt anders und der erste Eisprung nach der Geburt lässt sich nur schwer voraussagen. Außerdem sollten sich Frauen, die mit regelmäßigem Stillen verhüten möchten, streng an die notwendigen Voraussetzungen halten. Dass Mütter im Sinne des Empfängnisschutzes in dieser Zeit etwa nicht zufüttern dürfen, kann schnell zum Problem werden, wenn das Kind nicht genug trinkt und darauf angewiesen ist, auf andere Weise gefüttert zu werden.

Geeignet für

Frisch gebackene Mütter, die nichts gegen ein weiteres Kind haben, können es mit regelmäßigem Stillen zur Verhütung versuchen. Soll jedoch zunächst kein weiteres Kind entstehen, ist die Verwendung eines zusätzlichen Verhütungsmittels zu empfehlen.

 

Kalendermethode

Wirkung

Im Rahmen der Kalendermethode, oder auch Knaus-Ogino-Methode, werden die fruchtbaren und unfruchtbaren Tage im weiblichen Zyklus errechnet.

Anwendung

Ehe die Kalendermethode tatsächlich eingesetzt werden kann, sind Frauen dazu angehalten, über sechs Monate lang ihre Zyklen zu dokumentieren. Anschließend wird der längste und der kürzeste Zyklus ermittelt: Diese beiden Werte dienen der Errechnung der fruchtbaren und unfruchtbaren Tage. Sex ist unter Anwendung dieses natürlichen Verhütungsmittels nur an den errechneten unfruchtbaren Zyklustagen erlaubt.

Sicherheit

Die Kalendermethode gilt als nicht zuverlässig, da sie nur rein rechnerisch die Zeit feststellt, in der Paare Sex haben können, ohne eine Schwangerschaft befürchten zu müssen. Der Pearl-Index gibt an, wie sicher eine Verhütungsmethode ist: Unter Anwendung der Kalendermethode werden 9 von 100 sexuell aktiven Frauen im Jahr ungewollt schwanger.

Nachteile

Ein großer Nachteil der Kalendermethode besteht darin, dass diese eine sehr lange Vorbereitungszeit benötigt, ehe sie eingesetzt werden kann. Außerdem gilt die Knaus-Ogino-Methode als eher unzuverlässig: Der Zyklus der Frau ist kein mechanisches Uhrwerk und nur schwer berechenbar. Zudem können Anwenderinnen nicht immer dann Sex haben, wenn sie Lust darauf haben, sondern nur, wenn der Zeitpunkt gerade günstig ist. Außerdem ist kein Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten gegeben.

Geeignet für

Frauen, die grundsätzlich einen Kinderwunsch haben, können es darauf ankommen lassen und mit der Kalendermethode verhüten. Besteht hingegen kein Kinderwunsch, ist von der Methode unbedingt abzuraten.

 

Billings-Methode

Wirkung

Die Billings-Methode, oder auch Zervixschleim-Methode, zielt darauf ab, den Eisprung festzustellen und damit fruchtbare und unfruchtbare Tage zu definieren.

Anwendung

Auf einem Tupfer überprüft die Frau Farbe und Beschaffenheit des Schleims, der einige Tage vor dem Eisprung aus der Scheide fließt. Dieser Schleim wird Zervixschleim genannt und tritt aus dem Muttermund aus. Frauen, die die Billings-Methode zur natürlichen Verhütung nutzen wollen, müssen täglich den Muttermundschleim beobachten und testen: Kurz vor der Ovulation und damit an den fruchtbarsten Tagen im Zyklus wird der Ausfluss immer flüssiger, klarer und zieht schließlich Fäden, wenn er zwischen den Fingern gerieben wird – er ist zu dieser Zeit "spinnbar". Nach dem Eisprung ist der Zervixschleim hingegen eher leicht trüb und von einer etwas zäheren Konsistenz – er bildet eine Art Pfropfen im Muttermund, wodurch es Spermien von Natur aus schwerer haben, in die Gebärmutter zu gelangen.

Sicherheit

Laut Pearl-Index werden pro Jahr 3 bis 5 von insgesamt 100 Frauen schwanger, die die Billings-Methode als Verhütungsmethode ihrer Wahl angewandt haben. Damit gilt die Zervixschleim-Methode allein angewendet als nicht sicher genug.

Nachteile

Liegt eine Genitalerkrankung vor, ist kein Verlass auf die Billings-Methode. Denn dann liegt in der Regel vermehrt Ausfluss vor und es fällt schwer, den Zervixschleim einer bestimmten Phase vor oder nach dem Eisprung zuzuordnen. Allein angewendet, ist die Billings-Methode zum Empfängnisschutz nicht zu empfehlen. Außerdem bedarf die Billings-Methode zur natürlichen Verhütung einer hohen Disziplin: Frauen sollten ihren Körper gut kennen und müssen jeden Tag ihren Ausfluss überprüfen. Darüber, ob ein Paar Sex hat, bestimmt zudem nicht die Lust, sondern der Punkt des Zyklus an dem die Frau gerade steht. Zudem bietet die Methode keinen Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten.

Geeignet für

Frauen, die einer Schwangerschaft nicht abgeneigt gegenüberstehen, können mit ihrem Partner die Billings-Methode praktizieren. Soll eine Schwangerschaft jedoch auf jeden Fall verhindert werden, ist die Zervixschleim-Methode nicht geeignet.

Weitere Möglichkeiten

Frauen mit Kinderwunsch nutzen die Billings-Methode auch, um den günstigsten Zeitpunkt für Sex mit ihrem Partner herauszufinden. Soll eine Schwangerschaft auf jeden Fall verhindert werden, bietet es sich an, die Billings-Methode mit der Temperaturmethode zur symptothermalen Methode zu kombinieren. Dadurch kann ein wesentlich höherer Empfängnisschutz erzielt werden.

 

Temperaturmethode

Wirkung

Die Temperaturmethode oder auch Basaltemperaturmethode ist eine weitere Möglichkeit für natürliche Verhütung. Durch die Messung der morgendlichen Temperatur werden die unfruchtbaren Tage nach dem Eisprung ermittelt. Während eines Zyklus weist die Körpertemperatur jeder Frau typische Schwankungen auf. So ist die Temperatur von der Periode bis zum Eisprung eher niedrig, während sie zwei Tage nach dem Eisprung um einige Zehntelgrade bis zu einem halben Grad ansteigt. Bis kurz vor der nächsten Monatsblutung hat die Frau weiterhin eine erhöhte Temperatur.

Anwendung

Jeden Morgen muss kurz nach dem Aufstehen die Körpertemperatur gemessen und die Werte sorgfältig dokumentiert werden – die Temperatur sollte immer an der gleichen Stelle, oral, vaginal oder rektal, sowie idealerweise zur selben Zeit mit demselben Thermometer gemessen werden. Häufig wird zur Temperaturmessung auch ein spezieller Computer verwendet.

Sicherheit

Die Basaltemperaturmethode gilt im Vergleich zu anderen natürlichen Verhütungsmethoden als recht zuverlässig. Der Pearl-Index liegt zwischen 0,8 und 3, was bedeutet, dass pro Jahr 0,8 bis 3 von 100 sexuell aktiven Frauen, die die Temperaturmethode nutzen, schwanger werden.

Nachteile

Die Temperaturmethode ist stark von einem regelmäßigen Zyklus abhängig. Dieser kann durch Stress, Medikamente oder Alkoholkonsum schwanken. Außerdem müssen Paare sich ganz genau an die Messmethode halten und den Temperaturverlauf richtig interpretieren – kurzum: Die Basaltemperaturmethode erfordert einiges an Übung und Disziplin. Haben Paare an fruchtbaren Tagen Lust auf Sex, müssen sie auf eine zusätzliche Verhütungsmethode zurückgreifen.

Geeignet für

Für Frauen, die in einer festen Beziehung leben und deren Partner hinter der Temperaturmethode steht, könnte die Temperaturmethode die Verhütungsmethode der Wahl sein.

Weitere Möglichkeiten

In Kombination mit der Billings-Methode gilt die Temperaturmethode als vergleichsweise sicher. Dann ist von der symptothermalen Methode die Rede.

Kosten

Gegebenenfalls entstehen Kosten für einen speziellen Computer zur Temperaturmessung – diese können zwischen 80 und 100 Euro liegen.

 

Symptothermale Methode

Wirkung

Bei Anwendung der symptothermalen Methode werden die Temperatur- und die Billings-Methode kombiniert. Durch die Beobachtung der Aufwachtemperatur und des Muttermundschleims werden die fruchtbaren und unfruchtbaren Tage der Frau ermittelt.

Anwendung

Durch die Schleimbeobachtung kann festgestellt werden, wann der Eisprung stattfindet – die Messung der Basaltemperatur hingegen gibt Aufschluss darüber, wann der Eisprung vorüber ist und die unfruchtbare Phase beginnt.

Sicherheit

Wie sicher die symptothermale Methode ist, ist sicher auch eine Frage der konsequenten und disziplinierten Anwendung. Wenn Paare tatsächlich nur an den sicher unfruchtbar ermittelten Tagen Sex haben, gilt die Methode als ziemlich zuverlässig. Der Pearl-Index der symptothermalen Methode wird mit 0,4 bis 2,3 angegeben. Je niedriger dieser Wert ist, desto sicherer ist eine Verhütungsmethode. Paare, die die symptothermale Methode nutzen, sollten diese gründlich erlernen.

Nachteile

Die Zuverlässigkeit der gemessenen Temperaturen kann durch Infektionen, Alkohol, Stress, lange Flugreisen oder Schlafmangel beeinträchtigt werden. Medikamente können zudem die Beschaffenheit des Zervixschleims beeinflussen. Die symptothermale Methode ist nicht auf spontanen Sex ausgelegt. Wollen Paare an fruchtbaren Tagen miteinander schlafen, ist der Einsatz eines anderen Verhütungsmittels notwendig.

Geeignet für

Für Frauen, die in einer festen Partnerschaft leben, könnte die symptothermale Methode eine geeignete Verhütungsmethode sein. Hilfreich ist es, wenn der Partner die Methode unterstützt, da sie mit sehr viel Aufwand verbunden ist. Außerdem sollten vor allem solche Paare auf diese Verhütungsmethode zurückgreifen, für die eine ungeplante Schwangerschaft im Ernstfall kein Problem wäre. Hegen Frauen einen Kinderwunsch, kann die symptothermale Methode auch angewendet werden, um den richtigen Zeitpunkt abzupassen, um schwanger zu werden.

Weitere Möglichkeiten

Für die symptothermale Methode kann zusätzlich ein Verhütungscomputer eingesetzt werden.

Kosten

Eventuell entstehen Kosten für einen Verhütungscomputer, der Frauen bei der Messung und Dokumentation der entscheidenden Werte unterstützt.