Verhütungs-Apps: Wie sicher sind sie?

Eine Verhütungs-App zeigt "fruchtbare" und "unfruchtbare" Tage an. Wie sicher ist diese Angabe? Warum zu sicherer Verhütung mehr gehört, lest ihr hier.

Verhütungs-Apps: Wie sicher sind sie?

Verhütungs-Apps, die den weiblichen Zyklus aufzeichnen und die fruchtbaren Tage anzeigen sollen, kommen immer mehr in Mode. Aber sind sie auch sicher, wenn es darum geht, dich vor einer ungeplanten Schwangerschaft zu schützen? So manche Verhütungs-App wirbt sogar mit geprüfter Sicherheit – trotzdem gibt es einige Risiken.

Zyklus-Apps leisten praktische Dienste

Zettel und Stift braucht im Grunde keine Frau mehr, die einen Menstruationskalender führt. In Zeiten des Smartphones gibt es auch dafür längst die unterschiedlichsten Apps. Du musst nicht mehr mit zerknittertem Papier hantieren, wenn du deinen Zyklus dokumentieren willst, sondern hast alles auf einen Blick (oder Klick) parat – oft sogar mit praktischen Zusatzfunktionen: Manche Apps erinnern dich zum Beispiel automatisch an die tägliche Einnahme deiner Pille. Andererseits bleiben bei Apps, die solche persönlichen Daten aufzeichnen, oft auch Datenschutzfragen offen – darüber solltest du dir im Klaren sein. Zettel und Stift sind dagegen vielleicht eher old school, aber dafür eben auch zu 100 Prozent sicher.

Keine unnötigen Tabus: Den eigenen Körper kennen lernen

Alles zur Pille Danach

Der weibliche Zyklus und die Periode sind natürliche Abläufe, die zum Körper jeder Frau dazugehören. Trotzdem werden sie leider noch häufig tabuisiert und als eklig oder peinlich angesehen. Einer der Vorteile der vielen verfügbaren Zyklus- und Verhütungs-Apps liegt darin, jungen Frauen ihren Zyklus als das nahezubringen, was er ist: eine ganz normale Körperfunktion, für die sich niemand schämen muss. Andere Apps werten Laufstrecken für Sportler aus oder zeigen dir den Weg zum nächsten Kino – und diese zeichnen halt deinen Zyklus auf. Und alles gehört zu deinem Alltag.

Deinen Zyklus zu dokumentieren, kann zum Beispiel dann sinnvoll sein, wenn du unter lästigen Begleiterscheinungen leidest. Vielleicht verderben dir an einem ganz bestimmten Punkt deines Zyklus immer wieder Kopfschmerzen den Tag, oder du beobachtest Zwischenblutungen, die du nicht ganz einordnen kannst. Wenn du das alles notierst, hast du eine gute Grundlage, um diese Probleme beim nächsten Termin mit deiner Frauenärztin zu besprechen. Auch Frauen, die gern schwanger werden möchten und die aussichtsreichsten Tage dafür ermitteln wollen, können mit einer entsprechenden App gut beraten sein.

Verhütungs-App: Wo die Grenzen der Sicherheit liegen

Problematisch kann es allerdings werden, wenn du auf keinen Fall schwanger werden möchtest und eine Verhütungs-App gezielt einsetzt, um deine fruchtbaren Tage zu bestimmen – und an allen anderen Tagen einfach nicht verhütest. Denn die Sache mit der Fruchtbarkeit ist ein wenig komplexer, als es Verhütungs-Apps schlicht mit "rot" oder "grün" anzeigen. Nur bei wenigen Frauen ist der Zyklus wie im Bilderbuch immer genau 28 Tage lang, die meisten haben einen längeren oder kürzeren Zyklus – und die Länge kann auch von Mal zu Mal schwanken.

Hinzu kommt: Deine morgens gemessene Körpertemperatur – das entscheidende Kriterium, das die Verhütungs-App über "rot" (fruchtbar) oder "grün" (unfruchtbar) entscheiden lässt – ist leicht beeinflussbar und damit nicht besonders sicher in ihrer Aussagekraft. Längerer oder kürzerer Schlaf als gewöhnlich, Alkoholkonsum, Stress oder eine beginnende Erkältung reichen schon aus, um die Temperatur ansteigen zu lassen. Dies gibt Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, in einem Bericht des Technik-Portals "Techbook" zu bedenken. Die Verhütungs-App könne diesen Temperaturanstieg dann fälschlich als Eisprung werten und entsprechend ein falsches Ergebnis anzeigen, so der Gynäkologe.

"Unfruchtbare Tage" – wie sicher ist die Angabe?

Von absolut unfruchtbaren Tagen zu sprechen, ist noch aus einem anderen Grund riskant: Spermien überleben bis zu fünf Tage im Körper der Frau. Habt ihr also an einem als "unfruchtbar" angezeigten Tag ungeschützten Sex, kann es sein, dass zwei oder drei Tage später dein Eisprung erfolgt und sich ein paar wackere Spermien bis dahin noch in deinem Körper versteckt gehalten haben. Auch vom ungeschützten Sex während der Periode kann eine Frau schwanger werden, wenn sie einen entsprechend kurzen Zyklus hat und der Eisprung sehr früh erfolgt.

Einen Hinweis auf deinen Zyklusverlauf kann dir eine Zyklus- oder Verhütungs-App also durchaus liefern. Wer allerdings nicht schwanger werden möchte, sollte bei jedem Sex ein Verhütungsmittel verwenden. Wenn trotzdem alles schief läuft, ihr euch über fruchtbare und unfruchtbare Tage plötzlich nicht mehr sicher seid oder euch eine Verhütungspanne passiert, kann die Pille Danach oft helfen, den bevorstehenden Eisprung um einige Tage zu verschieben und so eine Schwangerschaft zu verhindern. In der Apotheke werdet ihr dazu beraten.

Verhütungs-Apps: Wie sicher sind sie?

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