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Schwanger durch Lusttropfen: So groß ist das Risiko

Der unscheinbare Lusttropfen hat es durchaus in sich. Die Flüssigkeit, die bei Erregung aus dem Penis austritt, kann nämlich Spermien enthalten.
Schwanger durch Lusttropfen: So groß ist das Risiko

Die Frage, ob man vom Präejakulat, besser bekannt als Lusttropfen, schwanger werden kann, lässt sich ganz klar beantworten: JA! Denn die Flüssigkeit kann Spermien enthalten.

Kleiner Tropfen, große Wirkung?

Obwohl vermutlich sämtliche Briefkastenonkel der Republik diese Frage mindestens seit den 1970er Jahren wieder und wieder beantworten, unterschätzen viele Paare weiter die befruchtende Wirkung von Lusttropfen. "Ist ja kein Samenerguss, was soll das schon passieren?" Es stimmt zwar, dass der Lusttropfen aus einer anderen Drüse stammt als das Sperma, das beim Orgasmus den Penis verlässt.  Aber bei vielen Männern sind darin trotzdem Spermien. Und die können dafür sorgen, dass eine Frau schwanger wird, auch wenn der Mann keinen Samenerguss hatte.

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Dass sich das Gerücht von der Schwangerschaft durch Lusttropfen so hartnäckig hält, liegt wohl auch daran, dass in früheren Untersuchungen falsche Schlüsse gezogen wurden. Lange ging die Wissenschaft davon aus, dass im Präejakulat nur dann Spermien sind, wenn der Mann kurz zuvor einen Samenerguss hatte oder bestimmte Erkrankungen hat. Demnach wäre eine Empfängnis durch den Lusttropfen tatsächlich unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. 2011 stellten Forscher allerdings fest, dass bei vielen Männern grundsätzlich Spermien im Präejakulat sind – ganz gleich, ob sie kurz vorher einen Samenerguss hatten oder nicht. Damit ist das Risiko einer Lusttropfenbefruchtung viel größer, als früher gedacht.

Coitus Interruptus: Russisch Roulette dank Lusttropfen

Zwar finden sich in der klaren Flüssigkeit nur relativ wenige Spermien. Doch die genügen schon, um dich bei ungeschütztem Sex schwanger zu machen. Es muss nur eines davon bis zur Eizelle gelangen und schon ist es passiert. Deshalb ist auch der Coitus Interruptus eine ganz schlechte Idee. Selbst wenn es dein Partner schafft, seinen Penis rechtzeitig vor dem Samenerguss aus deiner Scheide zu ziehen – dass der Lusttropfen bei einer solchen Nummer in deiner Vagina landet, lässt sich kaum vermeiden. Mal ganz abgesehen davon, dass es nicht soooo viel Spaß macht, mittendrin aufzuhören.

Allerdings ist der unterbrochene Sex nicht die einzige Möglichkeit, wie der Lusttropfen seinen Weg zur weiblichen Eizelle finden kann. Beispiel: Hat ihn dein Freund mit dem Finger abgewischt und steckt diesen dann bei einem intensiven Vorspiel in die Scheide, kann das ebenfalls geschehen. Zwar ist das Risiko so schwanger zu werden deutlich geringer als beim Coitus Interruptus, aber es ist da.

Keine genauen Statistiken

Genaue Statistiken über die Anzahl von Lustropfenbefruchtungen gibt es bislang nicht. Welche Frau kann schon genau sagen, ob sie nun durch Sperma beim Samenerguss oder durch den Lusttropfen schwanger geworden ist?  Aber allein für den Coitus Interruptus liegt der Pearl Index bei 27. Das heißt, 27 Prozent dieser Verhütungsmethode gehen schief. Zum Vergleich: Die Pille hat einen Pearl Index zwischen 0,1 und 3, Kondome zwischen 2 und 12.

Allerdings dürfte der Lusttropfen nicht für alle Schwangerschaften nach einem Coitus Interruptus verantwortlich sein. Oft kommt dabei der Orgasmus überraschender als Mann es erwartet und es macht sich dann eine volle Ladung Spermien auf den Weg zur Eizelle. Aber eine Empfängnis ist auch ohne Geschlechtsverkehr möglich – schließlich kann der Lusttropfen auch schon beim ungeschützten Petting in die Scheide gelangen. Merke: Auch wenn es keine genauen Zahlen dazu gibt, solltest du die Gefahr durch den Lusttropfen ernst nehmen. Denk daran, dass du auch durch eine winzige Menge der unscheinbaren Flüssigkeit schwanger werden kannst.