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Schmerzhafter Samenstau: Gibt es das wirklich?

Samenstau oder auch Kavaliersschmerzen: Wie urbane Legenden spuken diese Begriffe durch die Lande. Doch was steckt wirklich dahinter?
Schmerzhafter Samenstau: Gibt es das wirklich?

Kommt der Mann aus dem einen oder anderen Grund nicht zum Schuss, droht ihm ein qualvoller Samenstau, so der Volksmund. Auch wenn an den Schmerzen durchaus etwas dran sein kann, hat das mit einem vermeintlichen Samenstau wenig zu tun. Was deinem Schatz stattdessen zu schaffen machen kann, wenn er keine Erlösung findet, erfährst du hier.

Samenstau? Das ist ein Mythos

Im Hoden werden fortwährend neue Spermien erzeugt. So weit so richtig. Wenn jetzt ein Mann trotz Erregung enthaltsam lebt, läge die Vermutung nahe, dass sich die männlichen Keimzellen in den Hoden ansammeln und somit stauen. Die Symptome der Zurückhaltung kennen viele Männer: Die Schmerzen äußern sich durch ein Brennen und Stechen in den Hoden, das sich bis in die Leiste ziehen kann. Auch sind die Hoden unnatürlich angeschwollen. Doch durch Samenstau lassen sich diese Phänomene nicht erklären. Denn entgegen der landläufigen Meinung gibt es keine Spermaüberproduktion. Ungebrauchte Spermien, die also nicht über einen Samenerguss den Körper verlassen, werden über kurz oder lang vom Gewebe resorbiert. Das bedeutet, dass sie ohne jegliche Nebenwirkungen von speziellen Zellen im Körper abgebaut werden.

Kavaliersschmerzen durch Krämpfe der Muskulatur

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Doch auch, wenn kein Samenstau hinter den Schmerzen steckt, stehen sie im klaren Zusammenhang mit einer unerfüllten sexuellen Erregung. Mit diesen sogenannten Kavaliersschmerzen hat es jedoch eine andere Bewandtnis. Wenn ein Mann erregt ist, kommt es zur sogenannten Vasodilatation. Das bedeutet, dass sich die Arterien in Penis und Hoden erweitern und einen verstärkten Blutfluss zulassen. Im gleichen Zuge erfolgt jedoch auch eine Gefäßverengung der Venen, die Blut von dieser Region ableiten, der Vasokonstriktion. Auf diese Weise wird die Erektion des Penis ermöglicht. Gleichzeitig schwellen die Hoden an. Bei der Ejakulation wird das Sperma schließlich über die Samenleiter abgeleitet und Arterien und Venen bilden sich wieder auf ihre normale Größe zurück.

Kommt es jedoch zu keinem Samenerguss, bleibt die Vasokonstriktion bestehen. Es kann also kein Blut abfließen. Die glatte Muskulatur der Samenleiter bleibt erregt und kann jetzt verkrampfen. Die Folge sind die Kavaliersschmerzen, die auch fälschlicherweise als Samenstau bezeichnet werden. Der Ausdruck Hodenkrampf trifft es schon besser. Die Schmerzen können von einem unangenehmen Spannungsgefühl bis zu besagten stechenden Schmerzen reichen. Durch die Blutansammlung können die Hoden zudem einen bläulichen Schimmer aufweisen. Deshalb wird das Phänomen im englischen auch als "blue balls", also blaue Eier bezeichnet. Die Symptome lassen in der Regel schon wenige Minuten nach dem Samenerguss nach. Halten sie länger an, kann eine Kühlung der Geschlechtsteile Linderung bringen.

Die Symptome sind ganz unbedenklich

In alten Zeiten wurden diese meist kurzzeitigen Blutabflussverzögerungen auch als Bräutigamsschmerzen bezeichnet. Der Verlobte musste oft schmerzhaft ausharren, bis er die Geliebte in der Hochzeitsnacht endlich beglücken durfte. Noch geläufiger ist allerdings der Ausdruck Kavaliersschmerzen. Zum einen war der Begriff vielleicht Ausdruck vornehmer Zurückhaltung beim Herren, um der Dame des Herzens nicht die Unschuld zu rauben. Im modernen Kontext können Kavaliersschmerzen jedoch auch die Folge davon sein, dass dein Freund sein Stehvermögen beweisen und dir damit zu multiplen Orgasmen verhelfen möchte. Bei der Sexpraktik Karezza, die Lust ohne Orgasmus verheißt, können die Symptome ebenso auftreten. Doch falls dein Schatz sich den Sex mal verkneifen muss, weil du keine Lust hast, lass dir nicht einreden, dass du an seinen Schmerzen Schuld hast. Die Kavaliersschmerzen lassen sich zudem schnell beheben, indem Mann selbst Hand anlegt.

Übrigens können ganz ähnliche Schmerzen auch bei Frauen auftreten. Durch die Erregung wird auch die Klitoris stärker durchblutet. Kann sich die Spannung nicht durch einen Orgasmus entladen, löst das mitunter auch unangenehme Empfindungen aus. Hierfür gibt es allerdings noch keinen bestimmten Begriff. Die erwähnten Symptome treten auch nicht bei jedem Mann und jeder Frau auf.