Liebe macht blind: Die Fakten hinter dem Spruch

Den Spruch "Liebe macht blind" kennt jeder. Aber was ist wirklich dran? Klar schlägt Liebe nicht direkt aufs Sehvermögen, aber irgendwie stimmt es schon.

Liebe macht blind: Die Fakten hinter dem Spruch

Deine Freundin ist total verknallt. Nur leider ist der Typ ein echter Vollidiot und sie merkt es nicht. Ein klassischer Fall von "Liebe macht blind". Doch warum erkennen Verliebte eigentlich das absolut Offensichtliche nicht?

Hormone machen blind vor Liebe

Wenn man verliebt ist, tanzen die Hormone Samba und sorgen dafür, dass wir uns alles andere als normal verhalten. Der Biopsychologie-Professor Peter Walschburger erklärt in einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur (dpa), dass sich Verliebte in "hormonellen Sonderzuständen" befinden. Es geht bei Verliebten wirklich einiges im Körper ab. Zum Beispiel wird das Stresshormon Adrenalin verstärkt ausgeschüttet. Wenn das beispielsweise vor einer wichtigen Prüfung passiert, verfluchen wir es – Verliebte freuen sich über das aufregende Herzklopfen.

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Dazu kommen noch die sogenannten Glückshormone Dopamin und Serotonin. Die beiden Botenstoffe sorgen für eine emotionale Achterbahn und sind daher nicht ganz unschuldig daran, dass Liebe blind macht. Sie sorgen nämlich dafür, dass man alles durch die berühmte rosa Brille sieht, sobald man den Herzensmenschen vor Augen hat – selbst wenn es nur das innere Auge ist. Die grausame Realität ist also tatsächlich ein wenig ausgeblendet. Kein Wunder also, dass Verliebte total auf das Objekt ihrer Begierde fixiert sind und ihn oder sie nicht selten völlig unrealistisch überhöhen. Wissenschaftler haben laut dpa herausgefunden, dass im Körper und im Gehirn von Verliebten ähnliche Prozesse wie bei Süchtigen ablaufen. Eine objektive Wahrnehmung ist da also eher nicht zu erwarten.

Die gute Nachricht: Liebe macht nur vorübergehend blind

Es ist zwar einerseits schade, dass dieses wahnsinnige Verliebtheitsgefühl vom Anfang nicht für immer bleiben kann. Aber auf Dauer lässt sich dieser körperliche Ausnahmezustand ja irgendwie kaum aushalten. Irgendwann pendeln sich Adrenalin-, Serotonin- und Dopaminspiegel wieder halbwegs ein. Liebe macht dann nicht mehr ganz so blind. Wenn sich der oder die Angebetete tatsächlich als Fehlbesetzung erwiesen hat, erkennt das jetzt möglicherweise nicht nur der gesamte Freundeskreis, sondern auch der oder die Verliebte selbst. Geht es nach der rosaroten Phase weiter, kommt das Kuschelhormon Oxytocin ins Spiel. Das fördert die Treue und festigt die Liebe.

Blind vor Liebe? Das hat auch gute Seiten

Wenn der große Hormon-Samba vorbei ist, macht Liebe zwar nicht mehr blind – sie scheint aber zumindest für Scheuklappen zu sorgen. Amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Liebe einen Einfluss auf unsere unbewusste Wahrnehmung hat. Sie sorgt nämlich dafür, dass wir andere attraktive Menschen nicht richtig wahrnehmen. Unser Gehirn filtert also unbewusst schon mal potenzielle Konkurrenten für den Partner aus unserer Wahrnehmung heraus und sorgt so dafür, dass wir unsere Beziehung nicht leichtfertig für einen heißen Flirt aufs Spiel setzen.

Der Umstand, dass Liebe blind macht ist, also eigentlich ein ziemlich geschickter Schachzug der Evolution. Die ist schließlich darauf ausgerichtet, dass wir uns vermehren und weiterentwickeln. Und würden wir ständig aufs Neue unserem urmenschlichen Verlangen nachgeben, den allerbesten aller potenziellen Partner zu finden, könnte das mit dem Nachwuchs schwierig werden.

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