Studie: Das passiert mit Menschen, die sich oft einsam fühlen

Einsamkeit macht krank – das ist schon länger bekannt. Aber was geschieht seelisch mit Menschen, die sich einsam fühlen? Eine Studie zeigt die Folgen auf.

Studie: Was mit Menschen passiert, die sich einsam fühlen

Sorgt Einsamkeit dafür, dass Menschen irgendwie schräg werden? US-amerikanische Wissenschaftler gingen der Frage auf den Grund, inwiefern sich Psyche und Persönlichkeit bei Menschen verändern, wenn sie sich über einen langen Zeitraum einsam fühlen. Das Ergebnis: Einsamkeit macht egozentrisch. Umgekehrt macht auch egozentrisches Verhalten einsam – ein Teufelskreis entsteht.

Langzeitstudie über Einsamkeit und ihre Folgen

Über elf Jahre lang – von 2002 und 2013 – sammelten die Forscher um den Psychologen John Cacioppo von der Universität Chicago Daten und Informationen von 229 Menschen. Die Probanden waren zu Beginn der Studie zwischen 50 und 68 Jahre alt und kamen aus unterschiedlichen sozialen Schichten. Die Teilnehmer wurden so ausgewählt, dass sie einem repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung entsprechen.

Wenn sich Menschen einsam fühlen, werden sie ich-bezogen

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Diejenigen, die angaben, sich häufig, regelmäßig oder sogar ständig einsam zu fühlen, stellten sich in der Studie als besonders ich-bezogen heraus. Wirklich überraschend ist diese Erkenntnis nicht. Psychologe Capioppo hat dafür eine logische Erklärung: "Die Menschen haben sich deswegen zu einer solchen mächtigen Spezies entwickelt, weil sie sich stets gegenseitig geholfen und beschützt haben. Diese sozialen Interaktionen haben das menschliche Gehirn entsprechend verändert und angepasst." Fehlen die sozialen Interaktionen, haben wir nur uns selbst, um Hilfe und Schutz zu bekommen. In der Folge werden wir egozentrischer.

Umgekehrt – und das überraschte die Wissenschaftler – stellte sich in der Studie heraus, dass Egozentriker sich eher einsam fühlen. Einsamkeit und Ich-Bezogenheit verschlimmern sich also gegenseitig.

Einsamkeit ist ein wichtiges Alarmsignal

Auch wenn die amerikanischen Forscher sich in ihrer Studie ausschließlich mit älteren Menschen beschäftigt haben: Einsamkeit ist ein Problem, das sich durch alle Altersklassen zieht. Eine deutsche Umfrage unter 18- bis 70-Jährigen zeigte erst kürzlich, dass sich vier von fünf Deutschen zumindest manchmal einsam fühlen. Sich gelegentlich allein und von der ganzen Welt verlassen zu fühlen, ist also nichts Außergewöhnliches.

Gefährlich wird es allerdings, wenn das Gefühl der Einsamkeit sich festsetzt und zum Dauerzustand wird. Ähnlich wie ein Schmerzreiz uns meldet, dass körperlich etwas nicht stimmt, warnt uns die Einsamkeit, dass wir an unseren sozialen Beziehungen arbeiten müssen. Häufen sich diese Anzeichen, solltest du etwas unternehmen, damit die Einsamkeit dich nicht zum schrulligen Egozentriker werden lässt. Einfach mal jemanden anzurufen, kann schon ein guter erster Schritt sein, um sich weniger einsam zu fühlen.

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