Emotion

Selbstliebe: Warum fällt das oft so schwer?

Sich selbst lieben – das ist wichtig. Wichtig für jeden Menschen und für seine Beziehungen. Trotzdem ist Selbstliebe mit Vorbehalten behaftet. Warum nur?
Selbstliebe: Warum fällt das oft so schwer?

"Liebe Dich selbst." Das klingt gut und einleuchtend und dennoch macht dieses elementare Gebot vielen Menschen große Schwierigkeiten. Ihnen mangelt es an der wichtigsten Voraussetzung dafür – Selbstliebe. Die hat es in unserer Gesellschaft nicht leicht. Das dürfte in den meisten Fällen an einem Missverständnis liegen.

Narzissmus ist keine Selbstliebe

Der Unterschied zu negativ wahrgenommenen Verhaltensweisen wie Narzissmus, Egoismus oder gar Egozentrik ist nämlich oft unklar. Dabei haben die genannten Eigenarten nichts mit Liebe zu tun. So können beispielsweise Narzissten weder andere noch sich selbst lieben. Ein Makel, den sie mehr oder weniger geschickt überspielen, und das sogar dem eigenen Ich gegenüber. Weil sie so unsicher sind, entwickeln sie ein perfektes Bild von sich, das keinen Platz für Fehler jedweder Art lässt. Allerdings merken Narzissten und Co. – wenn auch nur unbewusst –, dass sie doch nicht so omnipotent sind. Deshalb benötigen sie ihre permanente Selbstdarstellung nach außen für die Selbstbestätigung nach innen. Dieses Verhalten ist weder gesund noch hat es aus verständlichen Gründen ein gutes Image.

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Kein Wunder also, dass Selbstliebe schwer fällt, wenn sie mit Narzissmus und ähnlichen, extrem selbstbezogenen Lebenseinstellung in einen Topf geworfen wird. Wer gilt schon gern als eingebildet oder arrogant?

Der fatale Hang zur Perfektion

Ein weiterer Hemmschuh kann übermäßiger, selbstgemachter Druck sein. Wer zum Beispiel glaubt, nur als perfekter Mensch geliebt werden zu können, hat ein massives Problem. Er sucht – und findet natürlich – alle möglichen Fehler in und an sich selbst. Beispiel: Gerade Frauen hadern mit Ihrer Figur und hungern sich oft mehr oder weniger zur Bikinifigur. Sogar, wenn sie schon rank und schlank sind. Häufig auch, um einen Partner zu finden. Dabei scheint ihnen zu entgehen, dass fülligere Geschlechtsgenossinnen trotz angeblicher Problemzonen längst einen Partner haben. Diese üppiger proportionierten Damen besitzen womöglich einen entscheidenden Vorteil: Sie können sich selbst lieben. Aber warum ist das eigentlich so wichtig?

Sich selbst lieben, sich selbst vertrauen

Wer sich selbst lieben kann, der ist unabhängig von der Anerkennung anderer Menschen. Das befreit und gewährt Raum, die eigene Meinung offen zu äußern. Denn es gibt praktisch keine Angst mehr vor Ablehnung oder Zurückweisung. Diese Eigenständig wirkt auf Mitmenschen offen und sympathisch. Anders ausgedrückt: Sie macht attraktiv. Völlig losgelöst von Äußerlichkeiten.

Selbstliebe erlaubt es auch, weniger Erwartungen an andere zu stellen und mithin seltener Enttäuschungen zu erleben. Sie ist zudem der Schlüssel zu größerem Selbstvertrauen, weil die Angst vor falschen Entscheidungen und deren Folgen schwindet. Diese entspannte Sichtweise funktioniert auch in die andere Richtung, da Fehler von anderen leichter zu verzeihen sind. So, und jetzt kommt's: Diese Fähigkeit ist eine entscheidende Voraussetzung dafür, andere zu lieben und mit ihren Macken zu leben! Das ist die Erkenntnis, die hinter dem bekannten Spruch steckt: Nur wer sich selbst lieben kann, kann andere lieben.

Fehler sind das Salz in der Suppe

Diese Gewissheit allein macht allerdings noch keine Selbstliebe. Falls du darin Nachholbedarf hast, solltest ein paar Ratschläge beherzigen.

Sei  nicht so hart zu dir selbst. Andere Menschen haben auch Fehler. Trotzdem bist du mit ihnen befreundet oder sogar liiert. Und sie mit dir. Merke: Vor dem Selbstbewusstsein kommt das Verständnis für sich selbst. Das schließt deine Makel mit ein. Was wäre das Leben ohne sie? Total perfekt – und langweilig.

Übe dich also in Geduld mit dir, statt dich unter Zwang zu setzen. Sei nachsichtig und lerne zu unterscheiden, was dir gut tut und was nicht. Keine Angst, das macht dich nicht gleich zum Narzissten.