"Gegensätze ziehen sich an": Warum das kaum noch gilt

"Gegensätze ziehen sich an"? Der Spruch hat ausgedient, seit es Partnerbörsen und Dating-Apps gibt. Heute gilt: "Gleich und gleich (attraktiv) gesellt sich gern".

"Gegensätze ziehen sich an": Warum das kaum noch gilt

Dass Menschen unterschiedlichen Kalibers zusammenkommen, wird immer unwahrscheinlicher, wie das Onlinemagazin "Priceonomics" schreibt. Besonders ungewöhnlich ist diese These nicht, denn Menschen konzentrieren sich bei der Partnersuche seit jeher vor allem auf Gemeinsamkeiten – sei es hinsichtlich ihrer Attraktivität, ihres Bildungsstands oder ihres sozialen Hintergrunds. Partnerbörsen und Dating-Apps treiben diese Entwicklung voran.

Online-Dating-Apps stellen Attraktivität in den Vordergrund

Bei Online-Dating-Apps wie Tinder entscheiden Nutzer binnen wenigen Sekunden, ob ihnen eine Person gefällt oder nicht. "Gefallen" bezieht sich in dem Fall allein auf das Äußere  einer Person. Man sucht also nach ähnlich attraktiven Partnern. Die Redewendung "Gegensätze ziehen sich an" hat hier also kaum noch Bestand, wenn es darum geht, wie heiß sich die beiden Partner gegenseitig finden.

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Zwar hat jeder Mensch seine individuellen Präferenzen, doch hat sich gezeigt, dass Männer öfter geteilter Meinung sind als Frauen. Das erklärte Justin McLeod, Chef der Online-Dating-App im Interview mit "Priceonomics". Als Grundlage für seine Theorie dienten Daten verschiedener Dating-Apps.

Treiben also vor allem Männer die "assortative Paarung", wie Wissenschaftler die Suche nach Gleichgesinnten und/oder gleich attraktiven Paaren beschreiben, voran? Gut möglich.

Partnervermittlungsbörsen ziehen charakterliche Kriterien hinzu

Das Online-Dating neben Äußerlichkeiten andere Bewertungskriterien einbeziehen kann, will unter anderem die neue App Hinge zeigen. Wie "News@ORF.at" berichtet, verwendet die App zwei Filtersysteme, um Nutzer zusammenzubringen: Zum einen werden Personen vorgeschlagen, die solchen ähneln, die der User bereits gelikt hat. Zum anderen werden Charaktereigenschaften miteinbezogen, die einem an einem bestimmten Profil gefallen haben. Die App schließt also auch charakterliche und nicht nur äußerliche Merkmale mit ein.

Partnervermittlungsbörsen gehen noch einen Schritt weiter. Im Gegensatz zum Online-Dating via Apps steht hier das Aussehen nicht sofort im Vordergrund wie Psychologin Caroline Erb, die für die Online-Partnervermittlung "Parship" tätig ist, sagt. Die Fotos von Singles seien zunächst verschwommen dargestellt. Man verfolge einen stufenweisen Kontaktaufbau, heißt es. Sie beschreibt den Grundsatz der Plattform wie folgt: "So viele Gemeinsamkeiten wie möglich, so viele Unterschiede wie nötig". Dabei bezieht sie sich auf die Charaktereigenschaften der verschiedenen Nutzer. Durch das verzögerte Kennenlernen auf visueller Ebene können zumindest auf dem Attraktivitätsniveau gemischte Paare zusammenkommen.

Gegensätze ziehen sich an? Eine Frage der persönlichen Einstellung

"Gegensätze ziehen sich an" – ob diese Aussage der Wahrheit entspricht, darüber sind sich Studien nicht einig. Fest steht jedoch, dass das Äußere bei vielen Dating-Apps in den Vordergrund gestellt wird. Dadurch verpassen womöglich Nutzer die Chance jemanden kennenzulernen, der zwar nicht ganz die erhoffte optische Anziehungskraft ausstrahlt, dafür aber auf Dauer sehr gut zu einem passt.

Lasse dich nicht von solchen Sprüchen beeinflussen, sondern vertraue bei der Partnerwahl mehr auf dein Bauchgefühl. Je besser du jemanden kennenlernst, desto eher wirst du wissen, ob die Person die Richtige für dich ist.

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