Die Pille für den Mann: Präparate, Wirkung und Nebenwirkungen

Die Pille für den Mann: Präparate, Wirkung und Nebenwirkungen

Die Forschung macht bei der Entwicklung einer Pille für den Mann stetig Fortschritte. Wir klären dich über den Stand der Dinge auf.

Die Pille für den Mann: Präparate, Wirkung und Nebenwirkungen

Die Antibabypille zählt zu den beliebtesten Verhütungsmitteln. Bislang ist sie ausschließlich Frauensache. Das könnte sich jedoch in den nächsten Jahren ändern. Diverse Wissenschaftler erforschen Möglichkeiten, die Fruchtbarkeit von Männern temporär einzuschränken. Welche Methoden es gibt, wie sie wirken und welche Nebenwirkungen auftreten können, zeigen wir dir hier in einem Überblick.

Neue Studie: Wissenschaftler forschen an hormonfreier Pille für den Mann

Eine echte Pille für den Mann gibt es noch nicht. Es wird viel geforscht und entwickelt, ein endgültiger Durchbruch blieb aber bislang aus. Australische Forscher der Monash University in Melbourne scheinen momentan aber tatsächlich einem vielversprechenden Verhütungsmittel für den Mann auf der Spur zu sein. Das Portal "Science Alert" berichtet, dass das Präparat zwischen 2023 und 2028 auf den Markt kommen könnte. Das Besondere: Es kommt voll und ganz ohne Hormone aus.

Alles zur Pille Danach

Diese neue Pille für den Mann werde oral eingenommen und reguliere den Spermientransport. Spermien sollen in ihrer Bewegung eingeschränkt werden, sodass sie eine befruchtungsfähige Eizelle nicht erreichen können. Bedeutet: Die Spermien sind weiter vorhanden und werden auch fortwährend produziert, der Wirkstoff der Pille hindert sie aber daran, den Weg zur Befruchtung anzutreten. Die Wissenschaftler haben herausgefunden, dass dafür zeitgleich zwei Proteine gehemmt werden müssen: α1A-Adrenozeptor und P2X1-Purinozeptor. Durch diese Maßnahme würden die Spermien nicht mehr das Signal bekommen, sich in Bewegung zu setzen.

Besonders vielversprechend ist die Forschung, weil diese Pille für den Mann nur wenige bis keine Nebenwirkungen haben soll. Libidoverlust, Übelkeit oder depressive Verstimmungen könnten also umgangen werden. Zudem bestätigten genetische Studien, dass durch die Einschränkung der Beweglichkeit der Spermien die Fruchtbarkeit nicht dauerhaft gemindert werde – ein wichtiger Punkt für einige Paare. "Durch unseren hormonfreien Ansatz werden die Spermien nicht geschädigt und die Fruchtbarkeit ist nach Absetzen der Medikamente wiederhergestellt", so Dr. Sabatino Ventura, Leiter der Studie rund um die Pille für den Mann, im Gespräch mit "Science Alert".

Die Idee ist nicht ganz neu

Bereits vor einiger Zeit kamen japanische Wissenschaftler der Universität Osaka auf die Idee, Spermien gewissermaßen auszubremsen. In einer Studie, die im Fachmagazin "Science" veröffentlicht wurde, offenbarten sie ihre Ergebnisse: Die Forscher konnten das Protein Calcineurin, das im männlichen Sperma vorkommt, angeblich so beeinflussen, dass die Samenzellen weniger flexibel wurden und es ihnen schwerer fiel, zur weiblichen Eizelle zu gelangen und sie zu befruchten. Getestet an Mäusen entfaltete dieses Verhütungsmittel seine volle Wirkung: Alle Nager, die das Präparat mindestens vier bis fünf Tage am Stück bekamen, waren unfruchtbar.

Nebenwirkungen oder anhaltende Unfruchtbarkeit seien hier nicht zu befürchten, schrieben die Forscher damals. Die Mäuse bildeten eine Woche nach Absetzen des Medikaments wieder ganz normale, befruchtungsfähige Spermien aus. Trotz der erfolgreichen Tests ist allerdings bislang kein entsprechendes Verhütungsmittel auf den Markt gekommen.

Gendarussa: Pflanzliche Verhütung

Eine ebenfalls sehr vielversprechende Forschung stammt aus Indonesien. Der staatliche Pharmakonzern Indofarma untersucht, inwiefern sich die heimische Pflanze Gendarussa (Justicia gendarussa) auf die männliche Fruchtbarkeit auswirkt. Sie soll ebenfalls verschiedene Enzyme hemmen, die für das Eindringen der Spermien in die Eizelle essenziell sind.

Die Pille für den Mann: Präparate, Wirkung und Nebenwirkungen
Die indonesische Gendarussa-Pflanze enthält Stoffe, die die Spermien des Mannes entschleunigen. (© 2018 pisitpong2017, Shutterstock)

Ein Stamm in Neuguinea setzt schon seit mehr als 100 Jahren auf diese Form der Verhütung – mit Erfolg. Ob der indonesische Pharmakonzern mithilfe der Pflanze eine hochwirksame Pille entwickeln wird, ist derzeit noch unklar. Obwohl in Studien eine hohe Sicherheit belegt wurde, nehme die Entwicklung dieser Pille für den Mann noch weitere zehn Jahre in Anspruch. Erhebliche Nebenwirkungen seien auch hier nicht zu erwarten.

Hormonelle Pille für den Mann

Die Zusammensetzung der Antibabypille für die Frau basiert auf künstlich hergestellten Geschlechtshormonen. Auch an diesem Prinzip orientieren sich einige Forscher. Sie entwickeln zwar nicht direkt eine Pille für den Mann, aber dennoch ein hormonelles Verhütungsmittel. Es wird allerdings per Spritze injiziert. Dabei handelt es sich um eine Testosteron-Gestagen-Kombination, die regelmäßig verabreicht werden muss.

Bis August 2011 testete die Uniklinik Münster zusammen mit neun weiteren Forschungszentren die Verhütungsspritze für den Mann im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in der gesamten Welt. Die Untersuchungen mussten jedoch abgebrochen werden, weil viele Probanden über schwere Nebenwirkungen wie depressive Verstimmungen, Akne, Schmerzen und Libidoverlust klagten. Zudem ergaben weitere Studien, dass fünf bis 20 Prozent der Teilnehmer nicht oder nicht ausreichend auf die Injektionen reagierten. Vor allem bei europäischen Männern war der Verhütungsschutz durch die Testosteron-Spritze mangelhaft. Die Gründe seien nicht bekannt.

Die Pille für den Mann: Präparate, Wirkung und Nebenwirkungen
Die Testung der Testosteron-Spritze offenbarte schwere Nebenwirkungen. (© 2018 Tero Vesalainen, Shutterstock)

Diese Ergebnisse verhinderten bisher, dass eine hormonelle Pille für den Mann auf den Markt gebracht werden konnte. In einer aktuellen Studie der Universität von Washington wird nun allerdings ein Prototyp einer solchen Pille aus Dimethandrolonundecanoat (DMAU) getestet. Der Wirkstoff senke den Luteinisierungshormon-, Follitropin- und Testosteronspiegel von Männern. Und anders als bei den Spritzen haben die 83 Probanden, die an der Studie mit der DMAU-Pille teilnahmen, keine beunruhigenden Beschwerden verspürt. Nebenwirkungen waren allerdings unter anderem eine Zunahme des Gewichts sowie eine Senkung des Cholesterinspiegels, und auch die Lust auf Sex nahm bei einigen Teilnehmern ab. Derzeit werden Langzeitstudien geplant, um die Pille für den Mann weiter zu testen.

Mechanische Verhütungsmittel für den Mann

Doch natürlich gibt es auch viele Männer, die nicht jeden Tag eine Pille nehmen wollen. Deshalb wird auch auf dem Gebiet der mechanischen Verhütung für den Mann geforscht. Das Prinzip ist dabei fast immer gleich: Spermien sollen durch eine Barriere aufgehalten werden, damit sie nicht in die Gebärmutter gelangen können. Das bekannteste Beispiel ist das Kondom.

Um auf das Präservativ verzichten zu können, wurde beispielsweise das Vasalgel entwickelt. Es werde in den männlichen Samenleiter injiziert und lasse nur die Samenflüssigkeit hindurch, nicht aber die befruchtungsfähigen Spermien. Mithilfe einer speziellen Lösungsflüssigkeit soll im Falle eines Kinderwunsches die Fruchtbarkeit wiederhergestellt werden können. Weitere klinische Tests stehen aus. Auch ein Samenleiterventil befindet sich in der Testphase.

Die nächsten zehn Jahre versprechen also neue Erkenntnisse zur Verhütung für den Mann. Und dann wird sich zeigen, ob medikamentöse Verhütung bald nicht mehr ausschließlich Frauensache ist.

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