Orgasmus vortäuschen: Warum das eine blöde Idee ist

Dass Frauen einen Orgasmus vortäuschen, passiert schon mal – meistens aus gut gemeinten Gründen. Doch ist die Show im Bett wirklich sinnvoll?

Orgasmus vortäuschen: Warum das eine blöde Idee ist

Einen Orgasmus vortäuschen? Ja, das habe ich schon gemacht! Diese Antwort geben nach wissenschaftlichen Untersuchungen viele Frauen. Die Frage ist allerdings, wem sie damit einen Gefallen tun.

Orgasmus vortäuschen: Viele tun es

Eine "Dr. Sommer"-Studie des Jugendmagazins "Bravo" brachte es an den Tag: Fast die Hälfte der befragten Mädchen hatte schon mal einen vorgetäuschten Orgasmus im Liebesspiel eingesetzt. Eine Untersuchung der Berliner Charité setzt sogar noch einen drauf. Demnach haben 90 Prozent (!) der Frauen einen Höhepunkt gespielt.

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Die meisten wollen damit ihrem Partner eine Freude machen beziehungsweise ihn nicht enttäuschen, weil er sie nicht aus eigener Kraft zur Klimax bringen konnte. Andere tun es, um den Sex schneller zu beenden oder um ein gemeinsames Kommen zu faken. Doch so unterschiedlich die Motive auch sein mögen: Ein vorgetäuschter Orgasmus nützt keinem der Beteiligten.

Ein vorgetäuschter Orgasmus hilft nicht

Wenn Frauen einen Orgasmus vortäuschen, senden sie damit nämlich das falsche Signal aus. Euer Bettgenosse glaubt dann, er habe euch allein mit seiner Manneskraft zum Höhepunkt geführt. Zu diesem kommt frau aber oft eher ohne ihn – der Selbstbefriedigung sei Dank.

Die Crux an der Sache ist der Mythos, dass ein vaginaler Orgasmus der einzig wahre wäre. Ihn stilisieren viele Männer zum absoluten Muss und damit zu einer Pflichtaufgabe hoch. Werden sie dieser nicht gerecht, dann fühlen sie sich schlecht und als Versager.

Fakt ist, ein vorgetäuschter Orgasmus hilft weder Männern noch Frauen. Allein schon deshalb, weil ihr euch, wenn ihr einen Orgasmus fakt, beim Sex zu sehr auf eure schauspielerische Leistung und den richtigen Zeitpunkt dafür konzentriert. Viel wichtiger als ein krampfiger Pseudo-Höhepunkt ist es, sich vollends auf das Geschehen einzulassen, auch wenn es nicht im Orgasmus endet. Natürlich gibt es Gründe, die euch am Orgasmus hindern können: Schmerzen beim Verkehr, ablenkender Stress im Job, mangelnde Lust, abtörnende Stellungen. In so einem Fall habt ihr alles Recht der Welt, das auch deutlich zu thematisieren und "Heute will ich lieber nicht" zu sagen.

Reden, reden, reden

In solchen und ähnlichen Fällen hilft nur, offen darüber zu reden. So erfährt euer Partner zum Beispiel, dass ihr einfach länger braucht, um zum Höhepunkt zu gelangen. Oder, dass er euch besser klitoral stimuliert. Hauptsache, er weiß, warum der weibliche Orgasmus ausbleibt beziehungsweise für seine Freundin gar nicht wichtig ist. Denn auch das gibt es: Manche Frauen finden Sex toll, ohne den Gipfel der Lust zu erreichen.

So ein klärendes Gespräch ist allerdings keine leichte Sache. Schließlich könnte euer Lover das Thema als Kritik verstehen und an sich selbst zweifeln. Und oft steht dann das Thema im Raum: Passen wir überhaupt zusammen? Wenn die Gefühle stimmen, dann ist das keine Frage. Verhält es sich aber anders und der Zweifel ist berechtigt, dann solltet ihr als Paar daraus die Konsequenzen ziehen. Ein vorgetäuschter Orgasmus löst dieses Problem jedenfalls nicht.

Auch Druck hilft nicht weiter. Wenn ihr keinen Höhepunkt bei der penetrativen Vereinigung erlebt, dann gibt es meistens andere Wege dorthin. Diese solltet ihr eurem Freund verraten, anstatt sie vor ihm zu verheimlichen. Alles andere führt nur zu krampfigen Sex. Und der befriedigt auf Dauer niemanden.

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