Pille Danach
Pille Danach

Pille Danach

Eine Verhütungspanne ist kein Weltuntergang.

Schätzungsweise 2,4 Millionen Frauen in Deutschland passiert genau das einmal im Jahr. Mit der Pille Danach lässt sich eine ungewollte Schwangerschaft in den meisten Fällen verhindern – wenn du rechtzeitig reagierst. Die Pille Danach ist rezeptfrei in allen Apotheken erhältlich. Alles, was du zur Notfallverhütung wissen musst, findest du hier.
Wirkung

Eine Schwangerschaft ist nur nach dem Eisprung möglich: Beim Eisprung verlässt eine reife Eizelle einen der beiden Eierstöcke und wandert durch den Eileiter. Trifft ein Spermium auf die Eizelle, wird diese befruchtet und eine Schwangerschaft kann entstehen. Die Eizelle überlebt zwar nur für kurze Zeit, etwa einen Tag, doch Spermien können bis zu fünf Tage in der Gebärmutter oder den Eileitern überleben. Also kann auch Sex, der mehrere Tage vor dem Eisprung stattfindet, zu einer ungewollten Schwangerschaft führen, weil die Spermien sozusagen auf den Eisprung "warten" können.

Die Befruchtungswahrscheinlichkeit ist an den beiden Tagen vor dem Eisprung besonders hoch. Hat der Eisprung noch nicht stattgefunden, kann die Pille Danach durch bestimmte Hormone dafür sorgen, dass er nach hinten verschoben wird – und bis zu fünf Tage später erfolgt. Die Spermien überleben nicht lang genug, sodass Spermien und Eizelle nicht aufeinander treffen können. Auf diese Weise kann die Entstehung einer Schwangerschaft verhindert werden.

Es gibt zwei Arten der Pille Danach mit zwei unterschiedlichen Wirkstoffen: Levonorgestrel oder Ulipristalacetat. Während die Pille Danach mit dem Wirkstoff Levonorgestrel bis zwei Tage vor dem Eisprung wirkt, wirkt die Pille Danach mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat sogar bis kurz vor dem Eisprung – also an den beiden fruchtbarsten Tagen der Frau. Wann die fruchtbarsten Tage einer Frau sind, kann nicht vorhergesagt werden, da der Eisprung früh, mittig oder spät im Zyklus stattfinden kann. Die Pille Danach mit Ulipristalacetat wurde speziell für die Notfallverhütung entwickelt. Für beide Wirkstoffe gilt: Je eher sie nach der Verhütungspanne eingenommen werden, desto besser ist die Wirkung.

Übrigens: Nimmt man die Pille Danach und ist unbemerkt bereits in der Frühschwangerschaft, führt dies nicht zu einem Schwangerschaftsabbruch oder zu Fehlbildungen beim Kind. Die Pille Danach ist keine Abtreibungspille.

Anwendung

Man kann nicht vorhersagen, wann der Eisprung stattfinden wird. Auf die Annahme, der Eisprung finde stets am 14. Tag des Zyklus statt, ist kein Verlass. Zwar ist die Ovulationswahrscheinlichkeit statistisch um den 14. Zyklustag verteilt, der genaue Tag des Eisprungs variiert jedoch stark – sowohl von Zyklus zu Zyklus als auch von Frau zu Frau. Deshalb gilt: Nach einer Verhütungspanne ist es wichtig, die Pille Danach so schnell wie möglich einzunehmen, um dem Eisprung zuvorzukommen.

Die größere Wahrscheinlichkeit eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern, besteht mit der Pille Danach mit Ulipristalacetat, da diese auch bis kurz vor dem Eisprung wirkt. Die einzelne Tablette kann zu jeder Tageszeit und unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden. Wichtig: Wird die Pille Danach drei Stunden nach der Einnahme erbrochen, sollte so bald wie möglich eine zweite Tablette eingenommen werden.

Es ist kein Problem, die Pille Danach auch während der Stillzeit einzunehmen. Nach der Einnahme sollte jedoch eine Wartezeit bis zum weiteren Stillen eingehalten werden. Bei der Pille Danach mit dem Wirkstoff Levonorgestrel sollte 8 Stunden nach Einnahme nicht gestillt werden. Bei der Pille Danach mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat wird eine Stillpause von einer Woche empfohlen. Am besten stillt man vor der Einnahme das Baby. Während der Stillpause sollte die Muttermilch abgepumpt und entsorgt werden, um ein Ausbleiben der Milchproduktion zu verhindern.

Sicherheit

Je schneller die Pille Danach nach dem ungeschützten Sex eingenommen wird, umso sicherer wirkt sie. Entscheidend ist, dass der Eisprung noch nicht stattgefunden hat. An den beiden Tagen mit dem höchsten Schwangerschaftsrisiko ist die levonorgestrelhaltige Pille Danach nicht mehr wirksam. Die Pille Danach mit Ulipristalacetat wirkt hingegen noch an den fruchtbarsten Tagen im Zyklus der Frau.

Untersuchungen zeigen, dass das Präparat mit Ulipristalacetat gegenüber einer Pille Danach mit Levonorgestrel mehr ungewollte Schwangerschaften verhindern kann. Bei schneller Einnahme innerhalb von 24 Stunden senkt die Pille Danach mit Ulipristalacetat das Schwangerschaftsrisiko auf 0,9 % – bei der Pille Danach mit Levonorgestrel verbleibt hingegen ein Risiko von 2,3 %.

Achtung: Bei übergewichtigen Patientinnen kann die Wirksamkeit der Pille Danach reduziert sein. Auch hier gilt, dass Ulipristalacetat im Vergleich zu Levonorgestrel wirksamer ist. Besteht die Gefahr einer ungewollten Schwangerschaft, sollten Frauen unabhängig von ihrem Gewicht so schnell wie möglich die Pille Danach einnehmen.

Es ist empfehlenswert, die normale Antibabypille einen Tag nach Verwendung der Pille Danach wie gewohnt weiter einzunehmen, um den Zyklus nicht durcheinander zu bringen und Zwischenblutungen zu vermeiden. Ganz wichtig ist dabei zu beachten, dass man für den aktuellen Zyklus durch die normale Antibabypille nicht mehr sicher geschützt ist und bis zum nächsten Zyklus zusätzlich mit Kondomen verhüten muss.

Übrigens: Die Pille Danach ist nicht zur normalen Verhütung gedacht, sondern als Verhütung für den Notfall. Sollte es nach Anwendung der Pille Danach innerhalb des gleichen Zyklus wieder zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr kommen, kann der Eisprung durch eine erneute Einnahme der Pille Danach möglicherweise nochmals verschoben und eine Schwangerschaft verhindert werden.

Nachteile

Allgemein gilt sowohl die Pille Danach mit Ulipristalacetat als auch die mit Levonorgestrel als gut verträglich – es kommt nur selten zu Nebenwirkungen. Wie alle Arzneimittel kann aber auch die Pille Danach gewisse Nebenwirkungen haben, die jedoch nicht bei jedem auftreten müssen.

Die möglicherweise auftretenden Symptome sind vergleichbar mit denen, die viele Frauen auch während ihrer Periode haben: Kopfschmerzen, Unwohlsein und Unterleibsschmerzen. Dass sich die nächste Periode nach der Einnahme der Pille Danach verzögert, ist nicht ungewöhnlich. Sollte die nächste Menstruation mehr als sieben Tage ausbleiben, ist ein Schwangerschaftstest zu empfehlen. Schwerwiegende Nebenwirkungen treten nicht auf. Wichtig zu wissen: Die Pille Danach ist keine "Abtreibungspille". Eine bestehende Schwangerschaft kann durch die Einnahme nicht abgebrochen werden.

Weitere Möglichkeiten

Eine Alternative zur Notfallverhütung mit der Pille Danach bietet die Kupferspirale oder die Kupferkette – für beide lautet der Fachbegriff Intrauterinpessar. Kupfer beeinflusst die Vitalität der Spermien und der Eizelle und verhindert, dass sich eine schon befruchtete Eizelle in der Gebärmutterschleimhaut einnistet. Daher ist die sogenannte Spirale danach die sicherste Methode der Notfallverhütung.

Eine befruchtete Eizelle erreicht nach fünf Tagen die Gebärmutter. Um mit der Kupferspirale nachträglich zu verhüten, muss sie innerhalb von fünf Tagen nach dem ungeschützten Sex eingesetzt werden. Die Kupferspirale ist von den Methoden zur Notfallverhütung die teuerste. Man kann die Kupferspirale aber auch danach weiterhin drei bis fünf Jahre zur regulären Verhütung benutzen.

Kosten

Die Kosten für die Pille Danach mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat liegen bei knapp 30 Euro. Die Pille Danach mit dem Wirkstoff Levonorgestrel kostet zwischen ca. 16 und 18 Euro. Anwenderinnen sollten bedenken: Ulipristalacetat wirkt auch an den fruchtbarsten Tagen der Frau und kann somit mehr ungewollte Schwangerschaften verhindern.

Hier erhältlich

Aufgrund eines EU-Entscheids ist die Pille Danach seit 2015 rezeptfrei in jeder Apotheke erhältlich, kann jedoch nicht online bestellt werden. In der Apotheke findet in der Regel ein diskretes Beratungsgespräch statt, in dem der Anwenderin einige Fragen gestellt werden.

Info-Video

In ihrem YouTube-Video gibt dir Bloggerin Mia einen guten Überblick zur Pille Danach als Notfallverhütungsmittel.